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Reise

ein traum soll wahr werden:     Highway Nr.1


2011 geht es mit Air Canada
über Toronto nach Seattle los.

Mit den gemieteten Harleys von Eagle Rider werden wir über Olympia den

Highway Nr. 1
erreichen und der pazifikküste bis Bandon folgen.

Da werden wir unsere Route verlassen, um den Crater Lake zu besuchen.

Zurück in Bandon ist wieder der Highway Nr. 1 angesagt, um ihn bei Fort Bragg wieder zu verlassen.

Die nächsten stationen werden
Lake Tahoe, Yosemite National Park, Death Valley, Las Vegas, Bryce

Canyon, Antelope Canyon, Monument Valley und der Grand Canyon
sein.

Über Williams geht es richtung Los Angeles, von wo wir wieder über den Highway Nr. 1 nordwärts

fahren. Von
San Francisco aus werden wir uns im Nappa Valley erholen und den wein geniessen.

Zum abschluss werden wir von Ford Bragg aus den letzten teil des Highways Nr. 1 bis San Francisco

schliessen.



ein traum wurde wahr: Easy Riding in the USA


Harleytour Samstag, 9. – 30. Juli 2011
 
Samstag, 09.07.2011 (Zürich – Toronto – Seattle)
 
Nach langer Vorbereitungszeit und mit gemischten Gefühlen beginnt die Reise am frühen Nachmittag.
Der Abschied von unseren Frauen ist hart, aber sehr liebevoll.
Wir, Markus Wyss und ich, fliegen von Zürich mit der Air Canada ohne Zwischenfälle nach Toronto. Nach einer Vollkontrolle amerikanischer Art suchen wir den richtigen Gate für den Weiterflug nach Seattle. Als ich einen Flugangestellten nach dem Weg frage, heisst es: „I‘ve never heard something about this flightnumber.“ Grosse Augen meinerseits, ein Grinsen seinerseits. Er ist unser Flugkapitän. Sein Übername ist fortan bei uns nur noch „Mister Never Heard“.
 
Sonntag, 10.07.2011 (Seattle – Cannon Beach)
 
Nach der ersten Nacht in Amerika lassen wir uns von Eagle Rider im Hotel (Best Western Airport Executel) abholen.
Zwei aufgestellte irische Jungs geben uns unsere Mietharleys (Kusi eine Low Rider ohne und ich eine Heritage Softail mit Scheibe). Wir fahren voller Emotionen über den Highway 12 ins Ungewisse Richtung Olympia und Aberdeen los.
Als wir den Highway 101 erreichen, geht es Richtung Süden, bis wir vor South Bend das erste Mal den Pazifik sehen. Trotz Sonnenschein ist das Klima rauer als erwartet.
Mit einem Abstecher nach Long Beach erreichen wir den längsten Sandstrand Amerikas und ein einfaches Städtchen voller Touristenkitsch.
Nach einem Espresso ohne alle Zutaten in einem viel zu grossen Becher und ungläubig staunenden Augen einer Kellnerin, dass wir nur so wenig Kaffee wollen, geht es zurück auf den Highway 101. Bei Astoria überqueren wir die längste Brücke, die ich je befahren habe. Danach cruisen wir dem Pazifik mit seiner Schönheit und Wildheit entlang. Endlose Wälder, leicht geschwungene Strassen – genau das, was wir wollen.
Nicht Easy Rider like übernachten wir im Nobelort Cannon Beach. Das Zimmer im Surfsand Resort ist Luxus pur und die Atmosphäre am Pazifik mit den vorgelagerten Felsen – traumhaft. Nach dem Nachtessen wärmt sich Kusi eine Stunde schlafend in der Luxusbadewanne auf, während ich mit einer Montecristo auf einem Baumstamm das Rauschen des Pazifiks und die Strandfeuer auf mich wirken lasse. In dieser Mondscheinatmosphäre lasse ich die Seele baumeln, lasse die Eindrücke des Tages Reve passieren, denke an zu Hause und bin meiner Erika zu tiefst dankbar, dass ich diese Reise unternehmen darf.
 
 
 Montag, 11.07.2011 (Cannon Beach – Coos Bay)
 
Ab Cannon Beach fahren wir wieder Richtung Süden. In Tillamook schauen wir uns nicht die Käsefabrik, sondern das Fliegermuseum (eine riesige Halle, in der Luftschiffe gebaut wurden) an. Die Glorifizierung des 2. Weltkrieges ist noch allgegenwärtig und die Geschichte des Flughafens auch.
Bei der Weiterfahrt durch die Wälder und der Küste Oregons entlang, halten wir am Seals Rock und später bei Seal Crove an, wo wir die Seelöwen näher betrachten können. Alles ist cool anzusehen, aber die stinken erbärmlich, die Viecher.
Bei der Weiterfahrt erreichen wir die Dünen Oregons, die sich gewaltig bis zwanzig Meter hoch auftürmen und oft trotz der Wälder die Strasse erreichen.
In Coos Bay beenden wir die Fahrt und übernachten nach einem guten Essen in einer amerikanischen, fürchterlich kitschigen, Deutsch-Beiz im Best Western Holiday Motel.
 


Dienstag, 12.07.2011 (Coos Bay – Klamath Falls)
 
Regen beim Aufwachen, Regen beim Morgenessen bis zum Losfahren. Ist es wirklich nötig, dass wir schon am dritten Tag Regen haben müssen?
Wir fahren trotzdem los. Vorsichtig, konzentriert und auf wenig Regen hoffend, geht es ins Landesinnere Richtung Coquille – Rosenburg über angenehm geschwungene Strassen einem Bergfluss entlang durch die Einsamkeit der amerikanischen Wälder dem Crater Lake entgegen. Manchmal sieht man hinter uns Regen, manchmal sind die Strassen vor uns nass.
Wir bekommen zum Glück nur wenig Regen ab. Es sollten die einzigen zwanzig Minuten Regen in den drei Wochen sein.
Das Thermometer sinkt und sinkt, je höher wir kommen. Wir beissen uns durch, obschon wir langsam frieren. „Ein Biker muss tun, was ein Biker tun muss!“
Jetzt kommt sogar Nebel auf. Durch Schneewalme am Strassenrand geht es höher und höher.
Wir werden belohnt. Der Anblick des Crater Lake ist umwerfend. Die Strapazen haben sich gelohnt. Nach einem bisschen Aufwärmen in der Lodge (South Diem) geht es wieder in tiefere Gefilde. Leider oder zum Glück in die falsche Richtung. Wir fahren durch unendliche, windige Weiten. Es sind die Hochlandprärien der Ponderosa, wo damals die Bonanza-Filme gedreht wurden.
Nach einer langen Fahrt dem Sky Lake entlang, erreichen wir Klamath Falls. Eingangs Klamath Falls ist die heutige Fahrt zu Ende.
Nach einem kurzen Orientierungshalt habe ich einen platten Hinterreifen. Ein Nagel lässt grüssen. Wie weiter?
Ein freundlicher älterer amerikanischer Kauz erkundigt sich nach einer Zwanzig-Meter-Fahrt mit seinem Pickup von seinem Haus aus nach unseren Problemen. Er hat natürlich einen Kollegen, der schon seit über dreissig Jahren an Harleys herumschraubt. Die ganze Aktion mit Reparatur soll nur hundert Dollar kosten.
Vertrauen ist alles. Die Softail wird aufgeladen und wir finden in der Comfort Inn eine Unterkunft. Dort werden wir am morgigen Tag abgeholt. Die Harley ist tip top in Ordnung und hält den Rest der Reise problemlos durch. Vielen Dank Marv Clayton.
 




Mittwoch, 13.07.2011 (Klamath Falls – Crescent City)
 
Von Klamath Falls aus cruisen wir über die 140 und den Highway 5 zuerst dem Sky Lake entlang, dann durch Berge und an Ranches vorbei. Von Grants Pass aus führt uns die 199 der Küste entgegen und zuletzt als kurvenreiche Strasse durch Wälder mit riesigen Redwood Bäumen.
In Crescent City erreichen wir wieder den Pazifik und unser heutiges Tagesziel, das Best Western Plus Nothwoods Inn. Das Essen im Nothwoods ist excellent.
 
Donnerstag, 14.07.2011 (Crescent City – Ford Bragg) 
 
Über den HW101 fahren wir über lang geschwungene Strassen durch Redwood Wälder. Bei Leggets verlassen wir den HW101 und nehmen die Küstenstrasse California 1. Es wird endlich etwas wärmer, aber von Küste ist noch lange keine Rede. Wir müssen zuerst dunkle Wälder und enge Kurven (20 km/h) hinter uns bringen, bevor wir nach langer Fahrt endlich belohnt werden.
Wir sind wieder am Pazifik (wow).
Die rauen, steilen Küsten mit den vorgelegten Felseninseln wechseln sich mit Dünenstränden, die weit ins Meer flach abfallen, ab. Wir erleben eine Stimmung wie an den englischen Küsten.
Als wir Fort Bragg erreichen, scheint es, dass die Zeit stehen geblieben ist. Ohne Teerstrasse könnte man sich hier problemlos Cowboys vorstellen.

Wir checken in der Best Western Manor Lodge ein.
Nach dem sehr guten Essen in der Brewery landen wir in einer von einem Mexikaner geführten Bar, wo Oldies Blues spielen und die Barbesucher einer wie der andere sehr spezielle Charaktere sind. Uns ist es einfach wohl.
 
Freitag, 15.7.2011 (Fort Bragg – Mendocino – Nappa Valley – Clearlake)
 
Bevor wir die Küste wieder verlassen, wollen wir noch Mendocino besuchen. Trotzdem das Musikfestival im Gange ist, sind die Bewohner eigenartig, irgendwie reserviert und unfreundlich, einfach eigenartig. Mit gemischten Gefühlen verlassen wir das „Kaff“, nachdem wir noch einen Gemischtwarenladen in einer Kirche besucht haben.
Unsere Fahrt führt uns über die 128 durch das Nappa Valley. Weinfeld an Weinfeld, ohne dass irgendwo ein Ende abzusehen ist. Bei Callistoga geht es wieder nordwärts bis Clearlake. In Clearlake übernachten wir im Best Western El Grande Inn – sehr luxuriös.
 


Samstag, 16.7.2011 (Clearlake – Sacramento – South Lake Tahoe)
 
Am Morgen wollen wir uns den Clearlake noch etwas genauer ansehen, aber er stinkt schon von Weitem. Den Grund für die stinkende, grüne Brühe finden wir nicht heraus, aber der Abschied wird kurz und schmerzlos.
Die Fahrt gegen Sacramento führt über angenehm geschwungene Strassen. Erst an Sacramento vorbei wird der Verkehr etwas kritischer. Das ändert sich aber nach der Stadt wieder. Die Fahrt wird gemütlicher und wir cruisen bis über 2000 m.ü.M., ohne dass es kälter wird.
In South Lake Tahoe übernachten wir wegen der tiefen Preise im Horizon Casino Resort. Die Stadt ist voll auf Spieler und Touristen eingestellt und ähnelt Interlaken sehr stark. Am Abend lassen wir uns vom riesigen Sog der Casinobesucher mitreissen. Die Eindrücke sind sehr zwiespältig. Auf der einen Seite die riesigen leuchtenden Spielsäle und auf der anderen Seite die Hohlheit der weiblichen Schönheiten, die vor lauter Geltungsdrang nicht mehr wissen, wie blöd und auffällig sie sich benehmen sollen. Wir sind beide ein wenig geschockt.
 

Sonntag, 17.7.2011 (South Lake Tahoe – Mono Lake – Bishop)
 
Der Tag soll vorläufig unser angenehmster werden. Die Fahrt führt meist über Strassen, die über 2000 m.ü.M. liegen, deshalb ist auch die Temperatur noch nicht zu heiss. Das ändert sich aber nach dem Monolake Richtung Bishop.
In der Best Western Plus Bishop Holiday Spa Lodge wird uns das Whiskey Creek zum Essen empfohlen. Super, auch die Bedienung, nur zu empfehlen!
Mitten in der Nacht werden wir von Geschrei, einem dumpfen Schlag und rennenden Schritten geweckt. Sich heraushalten ist die Devise – wahrscheinlich ein Familienstreit.



Montag, 18.7.2011 (Bishop – Death Valley – Las Vegas)
 
Mit unguten Gefühlen, Respekt und ein wenig Angst (kein Versicherungsschutz von Juni bis August) fahren wir über Lone Pine dem Death Valley entgegen, obschon wir wissen, dass das Risiko gross ist. Stovepipe Wells ist dann der absolute Heisspunkt unserer Reise. 50°C sind zu viel, um noch weiter ins Death Valley reinzufahren. Es gibt nur noch die Flucht Richtung Osten nach Beatty und dann über den Highway 95 nach Las Vegas.
Die Hotels am Sunset Strip (Las Vegas Boulevard) zu finden ist nicht einmal so einfach, weil man sie zwar sieht, aber noch lange braucht, um sie in dieser riesigen Stadt zu finden. Nichts desto trotz fahren wir beim Mirage vor und erhalten sogar noch ein Zimmer. In der Stadt herrschen immer noch Temperaturen nahe der 40°C. Nach der Hitze des Death Valley (50°C) sind wir froh, uns im klimatisierten Hotel etwas erholen zu können. Die wunderbare Aussicht vom Hotelzimmer aus treibt uns aber bald wieder auf den Strip. Staunend über den gewaltigen Luxus und das Lichtermeer lassen wir uns vom Menschenstrom mittreiben. Die Show der Springbrunnen vor dem Bellagio ist begeisternd und gleichzeitig irr, wenn man weiss, wie viel Wasser während den einzelnen Shows in der trockenen Hitze der Stadt verdunstet. Im Gegensatz zu der Dekadenz der Menschen in den Casinos von South Lake Tahoe sind in Las Vegas normale Zustände, das soll heissen: die Menschen staunen und geniessen.
 
Dienstag, 19.07.2011 (Las Vegas – Hoover Dam – Mesquite) 
 
Am nächsten Morgen verlassen wir die Spielerstadt und besuchen zuerst noch den Hoover Dam.
Gewaltig, aber kein Vergleich mit unserer Grande Dixcence. Wir fahren dem Lake Mead entlang durch kostenpflichtiges Indianergebiet und wundern uns über die vielen Pickups mit angehängten Schnellbooten, bis wir bei einem Zwischenhalt am See mitbekommen, dass die Amis wild darauf sind, auch auf den kleinsten Seen mit Speed Booten Tempo zu bolzen.
Als wir den Highway 190 erreichen, kreisen unsere Gedanken um Steve Lee (Gotthard). Bald wird der Meilenstein 105 kommen. Die Strasse schneidet sich schnurgerade durch die Ebene. Es ist vollkommen unvorstellbar, dass hier ein Mensch sterben muss.
 
Facebook Eintrag: Meile 105 ca. 250 Meter nach dem Schild brennt eine Kerze. Das Bild von Steve Lee treibt einem die Tänen in die Augen und es fröstelt einen, obschon der Fahrtwind bei über 40 Grad wie ein Backofen wirkt, weil es nichts Sinnloseres gibt, als auf einer kliometerlangen Geraden ums Leben zu kommen. Es ist hart, nicht anzuhalten, aber ein Abschied wird wahr. Danke
 
In Mesquite halten wir vor dem Marriot Casino, um ein Zimmer zu erhalten – Fehlanzeige. Am Schluss müssen wir nehmen, was noch zu erhalten ist, ein Motel der untersten Stufe. Wir haben es überlebt, ohne Läuse, ohne Wanzen, aber mit einem „Kulturschock“ gegenüber der letzten Nacht.
 



Mittwoch, 20.07.2011(Mesquite – Bryce Canyon – Page)
 
Die Fahrt aus der Wüstenhitze hinaus Richtung Bryce Canyon ist wieder cruisen pur. Keine Hetze, keine erdrückende Hitze, einfach nur easy riden. Nach dem Navajo Lake begeistern die fantastischen Skulpturen des Red Canyon und vor allem des Bryce Canyon.
Trotzdem freue ich mich wie ein kleines Kind auf Morgen. Der Antelope Canyon in Page ist schon lange ein Wunsch von mir. Die Rückfahrt bis nach Page führt uns auch am Lake Powell entlang. Im Städtchen Page klappt das Zimmersuchen wieder einmal nicht. Also „begnügen“ wir uns diesmal mit Luxus im Courtyard Marriot des Golfclubs mit einer wunderbaren Aussicht auf die Umgebung.
 






Donnerstag, 21.07.2011 (Page – Antelope Canyon – Grand Canyon – Tusayan)
 
In Page müssen wir uns die Zeit bis zur Führung durch den Antelope Canyon nach dem Mittag noch vertreiben. Was liegt also näher, als Kusi mal einen Golfplatz von Nahem zu zeigen? Nach einem kurzen Gespräch mit dem Manager des Lake Powell National Golf Course fahre ich mit einem Golfcaddy den Golfplatz ab und staune, dass in der Wüste ein so aussergewöhnlicher Platz überhaupt möglich ist.
Das Highlight dieses Tages ist aber der Besuch des Antelope Canyons, der uns von einer indianischen Führerin sehr kompetent gezeigt wird.
Die Reise geht weiter zum Grand Canyon, den wir gegen Sonnenuntergang erreichen. Während der Weiterfahrt zum Grand Canyon Village wird es Nacht. Übernachten oder Tanken – Fehlanzeige! Also fahren wir vorsichtig weiter, damit uns keine Tiere vor die Bikes laufen, bis Tusayan, wo wir Benzin und ein Bett erhalten.
 








Freitag, 22.07.2011 (Tusayan – Kingman)
 
Ausserplanmässig wollen wir, anstatt zum Monument Valley, zum Skywalk fahren. Da ich mich über diese Fahrt nicht informiert und vorbereitet habe, wird es ein Reinfall – ein verlorener Tag (Anfängerfehler). Die letzten 21 Meilen der Strasse bestehen nämlich aus einer unbefestigten, steinigen Staubstrasse. Nach zehn Kilometern gefährlicher Fahrt - für Motorräder ein Ding der Unmöglichkeit - geben wir endlich auf und kehren nach Kingman zurück.
 
Samstag, 23.07.2011 (Kingman – Barstow)
 
Die Überführungsetappe nach Barstow steht unter dem Motto „Nase voll von Hitze, Staub und Wind“.
 
Sonntag, 24.07.2011 (Barstow – Los Angeles)
 
Mit neuem Elan wollen wir heute Los Angeles erreichen. Aber wo ist Los Angeles in dieser riesigen Stadtansiedelung (San Bernardino, Pasadena, Glendale). Die Suche beginnt und nach langem erreichen wir die Hollywood Hills und erleben wieder einmal, wie klein die Welt eigentlich ist. Wir wollen eigentlich nur einige Fotos von Los Angeles knipsen und landen zuletzt in einer Villa eines Kaffeemaschinen Importeurs, der einen gemeinsamen Bekannten von Kusi hat. Nach diesem Besuch fahren wir zum Hotel, das nur etwa 300 Meter vom Walk of Fame entfernt ist.
Wir lassen uns das Ganze nicht entgehen und besuchen nach einer Dusche die Showstrasse. Nach dem Nachtessen geniessen wir die Atmosphäre der Stadt der Stars, bevor wir auf dem Heimweg auch an der anderen Seite des Reichtums vorbeilaufen. An einer Vielbefahrenen Kreuzung liegt ein junger Mann mit Zeitungpapier bedeckt rauchend auf dem Gehsteig.
 
Montag, 25.07 2011 (Los Angeles – Santa Monica – Bismo Beach)
 
Um unsere Reise über den Highway 101 zu schliessen, fahren wir Richtung San Francisco, aber nicht über den Higway 101, sondern über die California 1 der Küste entlang. Zuvor durchqueren wir noch die Beverly Hills und staunen, dass solche Villen in dieser überbauten Riesenstadt überhaupt möglich sind. Im Gegensatz zur Hitze der letzten Woche haben wir jetzt wieder das kalte Klima des Pazifiks. Weder in Santa Monica noch in Santa Barbara haben wir Temperaturen von über 18°C. Die wilde Küste des Pazifiks fasziniert uns wieder, wie in der ersten Woche. In Bismo Beach lerne ich wieder einmal zwei Seiten der Menschen kennen. Einmal die interessierten Amis, die uns wegen unserer Florida Nummern immer wieder ansprechen: „Oh, it’s a long way from home!“ Ein längeres Gespräch ist immer die Folge. Und dann die lasche, unfreundliche Bedienung der Rezeptionsangestellten des Motels Quality Inn in Bismo Beach.
 
Dienstag, 26.07.2011 (Bismo Beach – Monterey)
 
Heute stehen zwei Fixpunkte auf unserem Programm. Seeelefanten bei mir und Hearst Castle bei Kusi.
Hearst Castle ist ein Auswuchs an Dekadents, der seinesgleichen sucht. Für mich ist das nur noch abartig.
Die Sea Elephants haben es mir dann schon mehr angetan. Ihre riesige Masse und ihre Nähe sind etwas Besonderes.                 
                
An Big Sur vorbei erreichen wir Monterey, nachdem wir aus Zeitgründen den 17-Miles-Drive ausgelassen haben.
Im The Monterey Hotel erleben wir eine Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, die ihresgleichen sucht. Das nicht mehr ganz moderne Hotel ist sauber und angenehm. Der Markt vor dem Hotel lässt uns die Bikes in einer Seitenstrasse parkieren, was dazu führt, dass wir am Morgen schon gekennzeichnete Reifen haben. Die Parkbusse bleibt uns aber erspart.
 
Mittwoch, 27.07.2011 (Monterey – San Francisco)
 
Für mich ist klar, wenn ich schon einmal in Monterey bin, dann will ich auch den Golfplatz von Pebble Beach sehen. Weit gefehlt! Als wir in den 17-Miles-Drive einbiegen wollen, ist am Eingang eine Kontrolle, bei der uns ein riesiger schwarzer Koloss belehrt: “No Bikes!“
Etwas frustriert fahren wir auf der California 1 Richtung San Francisco davon. In San Francisco ist natürlich zuerst die Golden Gate angesagt. Der Wind vom Pazifik her weht uns fast von den Bikes und von der Brücke. Trotz Sonnenschein auf dem Aussichtspunkt drücken nur wenige Meter davor Nebelfetzen über die Golden Gate, so dass wir sie nie ganz sehen können.
Da wir unsere Bikes noch nicht abgegeben haben, können wir uns weiterhin problemlos in der Stadt bewegen. Fischerman’s Warf und Pier 39 sind unser Ziel für heute Abend.
Die Travelodge San Francisco in der Lombardstreet ist so laut, dass ich das erste Mal meine Ohrenstöpsel gebrauchen muss.
 
Donnerstag, 28.07.2011 (San Francisco)
 
Heute müssen wir die Bikes abgeben. Die Eagle Rider organisieren uns einen Limousinen Service, der uns in einem Lincoln unentgeltlich zum Motel fährt (gibt natürlich Trinkgeld) und uns gleichzeitig anbietet, uns am Morgen zum Flughafen zu fahren. Die Abmachung gilt. Unser Motel müssen wir wechseln, diesmal ist es das Travelodge at the Presidio, das viel ruhiger ist.
Mit dem Bus geht es noch einmal Richtung Pier 39.
 
Freitag, 29.07.2011 (San Francisco – Toronto – Zürich)
 
Der Limousinen Service fährt uns heute nicht mit einem Lincoln, sondern mit einem Mercedes durch San Francisco.
Auf dem Flug nach Toronto fliegen wir über den grossen Salzsee und den Michigansee. Erst auf diese Weise sieht man die grossen Ausmasse dieser amerikanischen Seen.
Durch den Zeitunterschied kommen wir natürlich erst am 30. Juli in der Schweiz an.
Glücklich, wieder gesund zu Hause zu sein, aber auch glücklich, all das erlebt haben zu dürfen.
 
Rückblick

Für mich heisst es einfach nur danke zu sagen, dass meine Erika es mir ermöglicht hat, diesen Jungendtraum verwirklichen zu können. Aber auch danke zu sagen, dass sich Kusi als der unkomplizierte "Rocker" gezeigt hat, den ich in ihm vermutet habe.
Für mich ist es ein Erlebnis, das mir das ganze restliche Leben in Erinnerung bleiben wird.
Ein Traum ist wahr geworden.

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